Sprachförderung

MarteMeo - ein natürliches Modell der Sprachentwicklung

Woher wissen Eltern rund um die Welt, wie sie bei ihren Kindern Sprache entwickeln sollen? Die meisten Eltern haben von Sprachentwicklungsprogrammen nie etwas gehört und seit vielen Jahren lernen kleine Menschen sprechen.

Wenn man Eltern zum Beispiel beim Baden ihres 12 Wochen alten Babys beobachtet, sieht man dass sie emotional in einer Art Singsang mit ihrem Baby sprechen: "Ja, du bist in der Badewanne. Ja, du bist im Wasser. Mama wäscht deinen kleinen Nacken, und jetzt das Bäuchlein. Ja, das magst Du. Und jetzt die Beine. Ja und nun sind wir schon fertig." Die Eltern benennen alles was sie selbst tun und was sie bei ihrem Kind an sozialen Signalen und Reaktionen wahrnehmen.
Man kann dieses "natürliche Elternverhalten" rund um den Globus bei Eltern beobachten. Maria Aarts, die Begründerin der MarteMeo Methode hat dieses natürliche Elterverhalten in über 40 Ländern erforscht und daraus Grundprinzipien der entwicklungsunterstützenden Eltern-Kind Kommunikation abgeleitet.

Die Grundelemente
Für eine entwicklungsunterstützende Kommunikation beschreibt Maria Aarts vier Basiselemente elterlicher Kommunikation:

Initiativen folgen, benennen und bestätigen, sowie positiv leiten.

Was sind "Initiativen" des Kindes?

o Eine Initiative des Kindes auf der Handlungsebene ist eine "Handlungsinitiative" (z.B. es nimmt den Schwamm)
o Wenn ein Kind etwas sagt, ist es eine "verbale Initiative" (vorsprachliche Laute wie Glucksen und Grunzen ebenso)
o Eine Initiative des Kindes auf der emotionalen Ebene (es zeigt ein Gefühl wie z.B. Freude) ist eine "emotionale Initiative"

Wenn Eltern von Geburt an die Initiativen des Kindes sehen und dann benennen, lernt das Kind hierdurch allmählich sprechen. Zum Beispiel: das Kind kommt mit einem Ball= eine Handlungsinitiative;
die Mutter sagt:" Oh, du hast einen Ball!"
Das Kind fühlt sich mit seiner Handlung gesehen; es registriert, was es gerade tut und schließlich hört es das Wort "Ball". Wenn dies oft passiert wird das Kind bald bei der gleichen Handlung selbst "Ball" sagen. Dann hat das Kind ein erstes Wort (=verbale Initiative), auf die Eltern dann reagieren (antworten). "Ja, Du hast einen schönen Ball" Wenn das Kind dann strahlt, ist dies eine emotionale Initiative und die Mutter sagt vielleicht: "Den hast Du gern, den Ball!" und teilt so das Gefühl des Kindes.

"Eltern sollten den Absichten, Bedürfnissen und Motiven ihrer Kinder folgen und adäquat darauf reagieren.
Dafür muss das Kind zunächst Raum Bekommen, um eigene Initiativen entwickeln zu können. Eltern sollten also öfter etwas länger abwarten und das Kind beobachten, um es besser kennenzulernen. Viele Eltern sind heute zu lernorientiert und zu schnell mit einer eigenen Initiative, um dem Kind etwas zu vermitteln. "Schau mal, was ich hier habe etc:" Dann wird der eigene Impuls des Kindes unterbrochen und es reagiert auf den Elternteil.
Zur Sprachentwicklung und zur Persönlichkeitsentwicklung ist es aber wichtig, dass Kinder mit der eigenen "inneren Welt " gesehen werden.

Solange das Kind selbst noch nicht sprechen kann und damit seine eigene Initiative nicht benennen kann, sollte der Erwachsene die verbale Begleitung der kindlichen Initiative übernehmen. Dabei ist es besser, nicht in Fragesätzen zu sprechen. Also möglichst nicht "hast Du den Ball gefunden?" sondern "du hast den Ball gefunden!" Maria Aarts geht davon aus, dass das Kind durch die konsequente Benennung durch die Eltern (oder Erzieher, Tagesmutter etc.) die passenden Worte erwirbt. Der Wortschatz und das Wissen über die kindliche Umwelt und die eigene Person wachsen. Zudem wollen Kinder im Allgemeinen neue Erfahrungen mit den Eltern teilen und suchen deren Aufmerksamkeit. Folgt der Erwachsene der Initiative des Kindes, so fühlt sich das Kind "gesehen" und bestätigt. Dadurch wird der Aufbau eines guten Selbstbildes unterstützt und ein positives Selbstwertgefühl kann sich entwickeln.
Durch das kontinuierliche Benennen entsteht das Phänomen, dass das Kind sich von dem Erwachsenen gesehen fühlt und dass es dann seine Erfahrung teilen will. Es signalisiert dies zum Beispiel durch Blickkontakt, Hinhalten eines gewählten Gegenstandes oder einer deutlich langsamen Ausführung einer Handlung, um dem Erwachsenen Zeit zur verbalen Begleitung einzuräumen.

Später wird das Benennen der Initiativen zunehmend vom Kind selbst übernommen. Die Aufgabe des Erwachsenen ist nun die Bestätigung der Initiativen. Allmählich entwickelt das Kind durch das Benennen einen eigenen Wortschatz, der sich immer mehr erweitert."1) Antworten die Eltern auf die verbalen Initiativen des Kindes, entsteht ein erster Minidialog. Hierdurch bekommt das Kind das Gefühl: "ich habe etwas zu sagen und bekomme eine Antwort" und wartet schließlich auf eine Antwort. Das Kind wird darin bestärkt, sich häufiger zu äußern. Hierbei entsteht so die Basis der Dialogfähigkeit: auf eine Äußerung wird wechselweise reagiert. Ich sage etwas und warte auf die Antwort und sage dann wiederum etwas zurück. So baut sich letztendlich ein Dialogmodell schon in früher Kindheit auf.
(Das Marte Meo Prinzip "positiv leiten" wird in diesem Artikel nicht beschrieben, da der Hauptfokus auf die Sprachentwicklung des Kindes lag.)

Das Marte Meo Prinzip "benennen" hört sich einfach an "Ich sehe was mein Kind tut - Ich sage es" Mein Kind nimmt einen blauen Bauklotz und ich sagte: "Ah, du nimmst den blauen Bauklotz"

Machen Sie jetzt kurz einen Selbstversuch:
Beobachten Sie ein/ ihr Kind und benennen Sie soviel Initiativen wie Sie können.

Sie werden schnell festgestellt haben, dass es doch nicht so einfach ist. Wie heißt dieses Spielzeug, was mein Kind nimmt überhaupt, "Sattelschlepper oder Laster oder wie?" Und ich komme mit dem Sprechen gar nicht so schnell hinterher, wie das Kind spielt (isst, turnt). Und immer wieder spüre ich den Impuls zu lenken.

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie müssten dieses Benennen auch noch auf Englisch tun….
Dann entwickeln Sie ein Gefühl dafür, wie es Müttern aus anderen Ländern geht, wenn sie mit ihren Kindern Deutsch sprechen sollen. Dazu muss man die deutsche Sprache schon sehr sehr gut beherrschen. Die Muttersprache heißt nicht von umsonst "Muttersprache". Dies drückt aus, dass sie auch die emotionale und spontane Sprache ist. Sagen Sie mal spontan auf Englisch" Oh, du hast den Schnuller verloren! Er ist runtergefallen. Mama gibt ihn dir wieder!" Es ist also wichtig, dass Kinder zuerst die "Muttersprache" lernen. Damit ist die Sprache gemeint, die die Eltern fließend sprechen, damit die "innere Welt" des Kindes gesehen wird und sich so die Persönlichkeit und die Identität entwickeln können.

Bei multilingualen Familien können zwei Elternteile jeweils eine Sprache fließend. Dann kann ein Elternteil zum Beispiel Spanisch sprechen und der andere Deutsch. Kinder solcher Eltern lernen zwei Sprachen parallel. Wenn beide Elternteile eine andere Muttersprache als Deutsch haben, sollten sie darin mit dem Kind sprechen und in Spielgruppen (vor dem Kindergartenalter) oder/und im Kindergarten sollten die Erzieherinnen regelmäßig eine kurze Zeit am Tag den Initiativen des Kindes folgen und sie auf deutsch benennen. So erlernt das Kind dann ebenfalls die deutsche Sprache. Es ist zu überlegen, wie ein solches Erlernen der deutschen Sprache zu einem möglichst frühen Zeitpunkt realisiert werden kann. Denn für das Zusammenspielen mit deutsch sprechenden Kindern und die Verständigung mit den ErzieherInnen, (LehrerInnen) ist eine gute Ausdrucksfähigkeit in der deutschen Sprache von großer Bedeutung.

Maria Aarts hat ein Fortbildungsprogramm für ErzieherInnen entwickelt. Es heißt "Marte Meo Practitioner" und schließt mit einem Zertifikat des internationalen Marte Meo Netzwerkes ab. In 6 Nachmittagen/ Abenden werden Marte Meo Grundlagen vermittelt und an Hand von eigenem Videomaterial aus dem Arbeitsfeld eingeübt. SIEHE Fortbildungen ->Erzieherinnen



1)Teile entnommen aus der Staatsarbeit von Ira Bagusat,

Sonja Schlegel Volksgartenstraße 14 * 50677 Köln* Tel: 0221 314079 * Internet: www.auseigerkraft.de* EMAIL:nc-schlegso@netcologne.de

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